Sterbebegleitung
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Im dem Augenblick, wo eine - möglicher Weise - totbringende Diagnose übermittelt wird, bricht für die meisten Patienten, samt ihrer Familie und Freunde, eine Welt zusammen. Unabhängig von Alter und Geschlecht. Wie soll man damit umgehen, plötzlich der Endlichkeit des eigenen Lebens gegenüber gestellt zu sein? Hinein katapultiert in eine Tatsache, von der man noch nichts wissen will! Warum schon jetzt... warum nicht erst, wenn man wirklich "alt" ist?

 

In welchem Augenblick beginnt die Sterbebegleitung?     

Erst später, jetzt oder schon früher?

 

Die meisten Menschen fangen erst an bewusst zu leben, wenn sie sich darüber klar werden, dass die Zeit ihres Lebens begrenzt ist. Natürlich wird spätestens jetzt eine aktive Sterbebegleitung wichtig und notwendig.

 

Ich sehe mich als eine ganzheitliche Sterbebegleiterin und beziehe den Körper, Geist und die Seele mit in meine Arbeit ein.

Für den Körper gibt es Pflegekräfte und die Palliativmedizin. Sie ermöglichen ein gutes und nahezu schmerzfreies Körpergefühl für den Patienten. Dank der heutigen Medizin und aller Hilfsmittel wird ein körperliches Wohlfühlen trotz aller Krankheitsmomente weitgehend sichergestellt. Der Begleiter wird sich darum kümmern, dass der Körper alles erhält, was er braucht und sorgt für eine gemütliche Umgebung und für die Erfüllung möglicher Wünsche und Bedürfnisse.

Der Geist mit seinem Verstand / Ego dagegen, steht sich plötzlich einer totalen Kampfansage gegenüber. Er kann nicht verstehen, was im Körper geschieht und wird mit allen Mitteln versuchen, dagegen anzugehen. Dieses zeigt sich beispielsweise durch Angstattacken, Panik, Verleumdung, Chaos und Fluchtversuchen. Die Gefühle fahren Achterbahn. Der Begleiter bietet hier Raum für wichtige Gespräche in jeder Hinsicht.

Die Seele leidet unter dem Zustand des Geistes und empfindet tiefsten Schmerz. Es kommt zu Depressionen, Gefühlen von innerer Leere, Verlassenheit, Unverständnis und Sinnlosigkeit. Der Begleiter fängt auf, wenn die Seele schreit.

 

Auch wenn es Medikamente gegen die psychischen Tiefs gibt, so bleiben viele unbeantwortete Fragen, die den Sinn des Lebens und den Sinn des Sterbens anbelangen, bestehen. Die Wertigkeit von "wichtig" und "unwichtig" gerät aus ihrem gewohnten Gleichgewicht. Dinge, die früher gleichgültig erschienen, gewinnen an Bedeutung und umgekehrt. Alles im Leben gerät vollständig durcheinander. Alte Freunde kommen plötzlich nicht mehr, weil sie nicht "belasten" wollen und selbst Angst vor dem Thema "Tod" haben. Dafür hält man vielleicht öfters nette Gespräche mit Krankenschwestern und Mitpatienten.

Hierfür gibt es keine Medikamente. Die Psyche braucht nun Unterstützung und Hilfe.

 

- Wie gewinne ich wieder neuen Lebensmut - trotz der Diagnose - evtl. sogar dem Wissen, 

  dass ich bald sterben werde?

- Wie kann meine Hoffnung wieder wachsen?

- Wie kann ich mit der Angst vor dem Tod zurecht kommen?

- Wie kann ich überhaupt noch in so einem Zustand leben?

- Wie schmerzhaft ist der Tod?

- Was mache ich, wenn ich etwas möchte, worüber meine Familie nicht reden will?

   Warum hört mir niemand wirklich zu?

- Wie sollen meine Freunde mit mir zurecht kommen, wo ich es selbst nicht einmal kann?

- Ich habe Angst, alle Menschen um mich herum zu verlieren und alleine zu sterben.

 

Die Fragen, die sich ein Mensch stellt, der sich seinem eigenen Tod gegenüber sieht, gehen ins Unermessliche und das Bedürfnis zum Reden, wie auch zum Schweigen erscheinen unkontrollierbar und unberechenbar. Alles hängt von der eigenen Tagesverfassung ab - das Leben als Achterbahnfahrt in der Geisterbahn.

 

DAS ist der Grund, weshalb ich dazu rate, sich frühzeitig mit einem Sterbebegleiter in Verbindung zu setzen und nicht erst, wenn es zu spät ist. Ängste können rechtzeitig gemindert, Hoffnung aufgebaut und der eigene Lebenswille und Lebensmut aufrecht erhalten werden. Gespräche und Wissen kann eine wertvolle Sicherheit für den Patient und seinem Personenumfeld bieten!

Weiter gibt es Möglichkeiten, eigene Wünsche im medizinischem Bereich durch eine Patientenverfügung festzulegen. Auch kann eine Person festgelegt werden, die sich in der Zeit größerer Abhängigkeit, um die eigenen Belange  kümmert und wichtige Entscheidungen trifft, die im eigenen Sinn sind. Dieses geschieht durch eine Vollmacht, die einer bekannten Vertrauensperson übertragen werden kann. Selbst wenn der Betroffene keine Personen  kennt, die er bevollmächtigen kann oder möchte, so kann er staatliche Hilfe in Anspruch nehmen und eine Betreuungsverfügung beantragen.

 

Um so eher mit der Beantwortung aller Fragen begonnen wurde, desto mehr Lebensqualität und Freude kann gelebt und erfahren werden. Wer seinen Mut erst einmal überwunden hat, sich der Realität zu stellen, der wird sein Leben zuversichtlicher beschreiten können.

Sterbebegleitung beginnt bereits im Leben. Sie führt nicht gleich zum Tod, sondern ermöglicht eine größere Lebensqualität durch innere Sicherheit und Wissen. Viele Begleitungen dauern Jahre der Untstützung an. Eine Zeit, in der zwar auch geweint, aber auch viel gelacht wird. Sie bietet eine Verbindung und Freundschaft voller Vertrauen und ermöglicht das Durchsetzen aller Wünsche und Bedürfnisse voller Würde.

 

Sterbebegleitung bedeutet, wieder am Leben teilhaben zu können!

 

 

 

Bestattungsverfügung

 

Kostenlose Bestattungsverfügung zum Ausfüllen (als PDF Datei)

Stefanie Eichler  | wattwurm03@t-online.de